Freitag, 24. Februar 2012

ausgelesen / 2


nur eine ohrfeige - christos tsiolkas - klett cotta verlag


es ist sommer im australischen melbourne. familie, freunde und bekannte treffen sich zu einem grillfest, wer kinder hat, hat sie mitgebracht. für spiel und vergnügen ist gesorgt und es könnte eigentlich ganz nett werden, doch dann kommt es zu einem vorfall, bei dem einem cousin des gastgebers die hand ausrutscht und auf der wange eines dreijährigen landet. und schon ist die party aus und die barbecue - gesellschaft gespalten. die betroffene mutter - empört und auf rache aus - möchte den *täter* vor gericht und bestraft sehen. da sie zeugen für den vorfall braucht, zählt sie auf die anwesenden frauen, von denen zwei zugleich ihre besten freundinnen sind.

die ohrfeige steht am anfang dieser geschichte und löst weit mehr aus als ärger und diskussionen. sie bringt *alte geschichten* an die oberfläche, bringt ansichten und beziehungen ins wanken. denn in jeder paarbeziehung gibt es etwas, in das nur der leser einblick bekommt. dazu gehören in diesem modernen gesellschaftsroman natürlich auch ehealltag, liebe, frauenfreundschaft, familienbande und seitensprünge.

unter den drei miteinander befreundeten  frauen, diejenige, die sich ehe, kindern und einem ernüchternden beziehungsalltag verweigert, drehbücher für romantische soaps schreibt und sich lieber einen jungen liebhaber hält. und daneben die andere, die ihren bald vierjährigen sohn immer noch stillt und dieses gegenseitige abhängigkeitsverhältnis nicht zu beenden gedenkt. längst dient die mütterliche brust nicht nur mehr der ernährung, sondern wird zum zufluchtsort vor der realen welt, sobald sich die geringste schwierigkeit auftut.

christos tsiolkas, australischer autor mit griechischen wurzeln, hat seine geschichte in dem ihm vertrauten, gesellschaftlichen umfeld angesiedelt, in dem sich söhne europäischer einwanderer mit frauen von einwanderern aus anderen kulturen verheiratet und es beruflich zu etwas gebracht haben, was so manchem einheimischen, wie dem vater des geohrfeigten kindes - nicht gelungen ist.

ich hab das buch in zwei lesenächten verschlungen. kleine alltagsszenen, wie vom autor beschrieben, haben mich amüsiert und zum lachen gebracht, wohl auch weil aus einem männerleben - von einem mann beschrieben. für alles, was ich zunächst, so wie es dastand, nicht hinnehmen wollte, gab es im lauf der geschichte schlüssige erklärungen. am ende der geschichte angekommen kann ich also nur sagen: hat sich gelohnt! das buch liegt nun am nachttisch meines mannes und wird danach wie so manches andere buch, das mir besonders gefallen hat, die runde machen und von einem familienmitglied zum nächsten weitergereicht :)

ein fernsehsender (abc) hat sich übrigens längst die rechte an diesem roman gesichert und ihn zu einer erfolgreichen fernsehserie verarbeitet.



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